Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht. Zwangsarbeit bei Pertrix 1939 – 1945“ im Dokumentationszentrum Zwangsarbeit in Niederschöneweide


Die Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht. Zwangsarbeit bei Pertrix 1939 – 1945“ eröffnete Ende 2015 im Dokumentationszentrum Zwangsarbeit in Niederschöneweide, Britzer Straße 5, Baracke 5. Vor einigen Tagen wurde beschlossen, dass die Ausstellung bis auf Weiteres verlängert wird.

Das Thema Zwangsarbeit war ein allgegenwärtiges Thema zur NS-Zeit. Ein Thema, über welches man bis heute oftmals schweigt. Rund 26 Millionen Menschen arbeiteten sowohl in den besetzten Gebieten als auch im Deutschen Reich für Deutschland. Die meisten von ihnen (etwa 8,4 Millionen) waren verschleppte Zivilisten aus ganz Europa bzw. aus den besetzten Gebieten Europas. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren tagtäglicher Schikane und Rassismus ausgesetzt. Ihre Arbeitsbedingungen unterschieden sich sie je nach Herkunft stark. Während Westeuropäer oftmals eine „bessere“ Behandlung genossen, litten Osteuropäer vermehrt unter der Schikane der zuständigen Nationalsozialisten. Osteuropäer hatten beispielsweise keinen Anspruch auf Urlaub. Des Weiteren waren ihre Tageslöhne anders bemessen: Während es 44 Mark für einen Deutschen gab, waren für einen Russen nur 5 Mark vorgesehen.

Der Umgang mit der NS-Vergangenheit und insbesondere mit der NS-Zwangsarbeit ist zum Teil noch bis heute fragwürdig. Als das Lager am 23./ 24. April durch die Rote Armee befreit wurde, kehrten die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter vermehrt in ihre Heimat zurück. Dort wurden sie oftmals als Verräter betitelt, denn sie hatten für den Feind gearbeitet. Abgesehen von einer oftmals schweren Rückkehr in eine Heimat, die sich nicht mehr nach einem Zuhause anfühlte, gab (und gibt es teilweise bis heute) keine monetären Entschädigungen. Sowohl in der DDR als auch in der BRD wurde der Einsatz von Zwangsarbeit, im Gegensatz zu den „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ (Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher), nicht verfolgt. Insbesondere in Westdeutschland kamen die Täter oftmals straffrei davon.

Erst seit dem 1980er Jahren rückte das Thema Zwangsarbeit etwas weiter in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Ab dem Jahr 2000 gab es seitens Staat und Wirtschaft erste Entschädigungszahlungen an die Opfer. Sowjetische Kriegsgefangene sowie italienische Militärinternierte sind bis heute von einer Entschädigung ausgenommen.

Die Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht. Zwangsarbeit bei Pertrix 1939 – 1945“ beleuchtet mittels Zeitzeugeninterviews und Originalobjekten, unter welchen Bedingungen die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei der Firma Pertrix arbeiteten. Die Mehrzahl der dort für die Wehrmacht Trockenbatterien und Taschenlampen Herstellenden waren Frauen. Frauen, die sich die Hände verätzten, weil man ihnen Schutzhandschuhe verweigerte. Unter diesen gefährlichen Bedingungen waren bis Kriegsende 1945 etwa 2.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei der Firma Pertrix beschäftigt. Darunter waren viele Juden, italienische Militärinternierte, Ostarbeiter aus Polen und der Sowjetunion und viele mehr.

Sich mit der schrecklichen NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen und hinzusehen ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der man sich auch im Jahr 2017 nicht verschließen sollte.

Von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und am Donnerstag von 10 bis 20 Uhr ist die Ausstellung in der Britzerstraße 5, Baracke 5 geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen finden Sie unter www.alltag-zwangsarbeit.de.