Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Niederschöneweide


Die im Jahr 1951 vom DDR-Kultusministerium als staatliche Schauspielschule gegründete „Ernst Busch“ Schauspielschule wurde 1981 zur Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ernannt. Sie gehört zu den begehrtesten Schauspielschulen Deutschlands. Jedes Jahr kommen zahlreiche junge Menschen zum Vorsprechen nach Niederschöneweide, um ihren großen Traum zu verwirklichen: Schauspieler werden.

Die Wurzeln der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ sind bereits im Jahr 1905 zu finden. Ihre Entstehung geht zurück auf Max Reinhardt (1873-1943) und die von ihm ins Leben gerufene Schauspielschule des Deutschen Theaters zu Berlin. 1944 wurde sie bedingt durch den Nationalsozialismus und Hitlers Diktatur geschlossen. Als der Krieg 1945 endlich ein Ende nahm, wurde die Berliner Theaterlandschaft neu belebt. Als das DDR-Kultusministerium die Schauspielschule im Jahr 1951 zu neuem Leben erweckte, befanden sich die Ausbildungsräume zunächst im Alten Bootshaus in Niederschöneweide, welches ein wenig abseits angesiedelt war.

Heute werden etwa 90 Studentinnen und Studenten an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in der Schnellerstraße 104 in den Studiengängen Schauspiel, Puppenspiel, Regie, Tanz und Dramaturgie ausgebildet. In den Fokus der breiten Öffentlichkeit rückte die Schauspielschule durch den Dokumentarfilm „Die Spielwütigen“ aus dem Jahr 2004. Unter der Regie von Andres Veiel wurden die vier Schauspielschüler Prodromos Antoniadis, Constanze Becker, Karina Plachetka und Stephanie Stremler von 1997 bis 2004 auf ihrem langen Weg zu ihrem Traumberuf begleitet. Über 1.000 junge Menschen bewerben sich jedes Jahr für den Studiengang Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Dass der Weg zum Traumberuf steinig ist und schmerzhaft, zeigt der Film auf sehr eindringliche Weise.

Das Lexikon des internationalen Films äußert sich über „Die Spielwütigen“ wie folgt: „Präzise zeichnet er die Hintergründe, Motive und Zweifel und fragt zugleich nach dem Preis für den Erfolg. Dabei kreist er subtil und einfühlsam um die Dynamik der Gefühle und verdichtet die vielen Partikel mit ebenso eindringlichen wie charmanten Details zu dramatischen Initiationsgeschichten.“

Namensgeber der etablierten Schauspielschule ist der Sänger und Schauspieler Ernst Busch (1900-1980). Der ausgebildete Werkzeugmechaniker nahm ab 1920 Schauspielunterricht und stand ab 1928 auf den bekanntesten Berliner Bühnen. Ernst Busch stand dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber, sollte deshalb von der NSDAP verhaftet werden und war im Zuge dessen gezwungen, Deutschland im Jahr 1933 zu verlassen. In Spanien brachte er Liederbücher heraus, in denen er sich deutlich gegen den Faschismus aussprach. Nach Kriegsende kehrte er zurück nach Berlin und war als Schauspieler am Berliner Ensemble, der Volksbühne und dem Deutschen Theater tätig. 1976 setzte er sich gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann ein. Im Jahr 1980 starb er in Berlin, sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Pankow III.

Die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ bildete berühmte Schauspieler wie die 1975 in Stuttgart geborene Nina Hoss aus. Die begnadete Schauspielerin erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Bayrischen Filmpreis als beste Darstellerin in „Die weiße Massai“ von Doris Dörrie. 15 Jahre lang war Nina Hoss am Deutschen Theater Berlin tätig, bis sie zur Spielzeit 2013/ 2014 an die Schaubühne wechselte.

Die Studentinnen und Studenten an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ werden nach den Ansätzen Konstantin Stanislawskis und Bertolt Brechts unterrichtet. Auf der Studiobühne „Wolfgang Heinz“ (Schnellerstraße) und im „bat-Studiotheater“ (Belforter Straße) ist der begnadete Nachwuchs in regelmäßigen Aufführungen zu bewundern.