Zur Geschichte Niederschöneweides


Im Nordwesten des Bezirks Treptow-Köpenick befindet sich der flach und stark bebaute Ortsteil Niederschöneweide. Erstmals tauchte der Name „Schöne Weyde“ im Jahr 1598 auf, als Kurfürst Joachim der Zweite ihm auf einer seiner Reisen begegnete.

Am Südufer der Spree befanden sich zur Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg sieben Ansiedlungen (gewerbliche sowie landwirtschaftliche) auf kleinstem Raum. Im 17. Jahrhundert war Niederschöneweide bekannt für seine Teerschwelerei. Später entstand eine Bleicherei, die sich als neues Gewerbe im damals nur 42 Seelen-Örtchen etablierte. Obwohl Niederschöneweide in erster Linie für die Industrialisierung bekannt war, entwickelte sich der Ortsteil im Nordwesten Treptow-Köpenicks gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem touristisch beliebten Ausflugsort. Im Jahr 1866 verfügte Niederschöneweide über zwei Dampfanlegestellen. Auf diese Weise kamen zahlreiche Touristen nach Niederschöneweide, um die herrlichen Kleingartenanlagen und Glaspavillons zu bewundern. Lokale wie „Hasselwerder“, „Neptunhain“ oder die legendäre Borussia-Brauerei zogen viele Besucher in ihren Bann.

Bedingt durch die immer weiter voranschreitende Industrialisierung gewann der Straßen- und Wegebau in Niederschöneweide zunehmend an Bedeutung. In den Jahren 1890/ 1891 wurde eine Holzbrücke errichtet, die von nun an die Fähre ersetzen sollte. 1898 wurde mit dem Kaisersteg ein zweiter Spreeübergang geschaffen. Seit 1904 ziert die Stubenrauchbrücke Niederschöneweide und verbindet den Ortsteil mit Oberschöneweide.

Um 1892 plante man Niederschöneweide als einen Landhausbezirk mit herrschaftlichen Villen. Diese Planung konnte allerdings so nicht realisiert werden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden wir Niederschöneweide als ein Arbeiter- und Industriewohngebiet vor. Fortlaufend entstanden neue Wohnungen und Siedlungen, Niederschöneweide entwickelte sich zu einer immer weiter wachsenden Ortschaft in Treptow-Köpenick.

Zur Zeit des Nationalsozialismus galt Niederschöneweide als wichtiger Standort der Rüstungsproduktion. Zahlreiche Zwangsarbeiter waren in Niederschöneweide beschäftigt. Seit 2006 befindet sich das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit (Topographie des Terrors) in Niederschöneweide, um an vergessene und totgeschwiegene Gräueltaten und Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

Über ein Jahrhundert Industrialisierung geht nicht spurlos an der Natur vorbei. Der Ortsteil Schöneweide muss mit Problemen wie kontaminiertem Boden zurecht kommen. Seit 1994 wurden zunehmend Sträucher und Bäume gepflanzt und der Ausbau der Uferpromenade nahm seinen Anfang.

In Niederschöneweide befindet sich die berühmte Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Sie gilt als eine der besten staatlichen Schauspielschulen Deutschlands und zieht jedes Jahr zahlreiche Bewerber an. Nur die wenigsten bekommen einen der beliebten Studienplätze.

Im Jahr 1800 lebten nur 42 Personen im Ortsteil Niederschöneweide in Treptow-Köpenick. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahrhunderten rasant gestiegen. 1900 beherbergte Niederschöneweide bereits rund 2.500 Menschen, heute sind es rund 11.000.