Zur Geschichte Oberschöneweides


Am nördlichen Ufer der Spree befindet sich der Ortsteil Oberschöneweide. Der im Osten an Köpenick grenzende Ortsteil Oberschöneweide gehört zum Nordwesten des Bezirks Treptow-Köpenick. Oberschöneweide ist stark und flach bebaut und verfügt über einige Kleingartenanlagen.

Die Gastwirtschaft Quappenkrug, die Kurfürst Friedrich Wilhelm im Jahre 1682 persönlich erwarb, war das älteste Anwesen Oberschöneweides. Aus der Gastwirtschaft Quappenkrug entwickelte sich um etwa 1814 ein ortsbekanntes Vorwerk, zu dem auch eine Meierei gehörte. Seit dem Jahr 1889 entwickelte sich der Ortsteil Oberschöneweide zu einem Industrieort mit wachsender Bekanntheit. Als die Grundrentengesellschaft AG den Wilhelminenhof und das benachbarte Land kaufte, begann die Industrialisierung in Oberschöneweide. Erste Arbeitsmietshäuser entstanden, eine Holzbrücke sicherte die Wege der Menschen. Die AEG, die von Oberschöneweide aus weltweit bekannt wurde, baute ab 1890 zahlreiche Fabriken in Oberschöneweide, unter anderem eine Fabrik für Akkumulatoren, das Elektrizitätswerk Oberspree sowie die Deutschen Niles-Werke für Werkzeugmaschinenbau.

Nach und nach entwickelte sich Oberschöneweide zu einem industriellen Ballungsgebiet, das aus 25 Großbetrieben und zahlreichen Labors, Werkstätten und kleineren Betrieben bestand. Mit dem Elektrizitätswerk Oberspree (ab 1895) wurde elektrische Energie erstmals in ein Stromversorgungsnetz eingespeist und von dort aus auch weiterverteilt.

Oberschöneweide galt schon zur Zeit des Ersten Weltkrieges als „Zentrum der Arbeiterklasse und der Sozialdemokratie“. Zur Zeit des Nationalsozialismus war Oberschöneweide ein Zentrum des Widerstandes. Ungeachtet zahlreicher Verhaftungen und Todesurteile blieb man in Oberschöneweide standhaft. Die illegale KPD-Zentrale war vorrangig in den dort ansässigen Fabriken zu Hause. In der Schlacht um Berlin am 16. April 1945 wurde der Kaisersteg und die Treskowbrücke von der SS gesprengt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Oberschöneweide unter sowjetischer Kontrolle.

Bedingt durch die deutsche Wiedervereinigung und der sich immer weiter veränderten Marktsituation kam es auch in Oberschöneweide zu zahlreichen Entlassungen, Privatisierungen und Schließungen. Damit endete der Industriestandort Oberschöneweide. Seit 1991 stehen die traditionsreichen Industriegebäude unter Denkmalschutz.

Seit dem 25. September 2007 erstrahlt der Kaisersteg in neuem Glanze. Seither garantiert er zahlreichen Radfahrern und Fußgänger einen beeindruckenden Weg von Ober- nach Niederschöneweide und umgekehrt.

Seit 2006 befindet sich die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) auf dem ehemaligen AEG-Gelände an der Wilhelminenhofstraße. Mittlerweile gibt es zwei Campi in Oberschöneweide: Auf dem Campus Treskowallee sowie auf dem Campus Wilhelminenhof bereitet der Nachwuchs sich auf eine spannende Zukunft vor.

Oberschöneweide zählte im Jahr 1797 nur 66 Einwohner. Heute leben über 21.000 Menschen im schönen Oberschöneweide, welches immer wieder zu Unrecht als „Oberschweineöde“ bezeichnet wird. Eine spannende Dokumentation über den schönen Ortsteil im Nordwesten Treptow-Köpenicks: Geheimnisvolle Orte. Industrieareal Oberschöneweide (Erstausstrahlung September 2014 beim RBB).