Schöneweider Persönlichkeiten Teil 1: Ernst Schneller (1890-1944)


Die Wohnadresse des 1890 in Leipzig geborenen Ernst Schneller war befand sich am damaligen Berliner Damm in Schöneweide. Diese Adresse ist uns heute besser bekannt als Schnellerstraße. Im Jahr 1947 wurde sie zu Ehren Ernst Schnellers umbenannt.

Ernst Schneller blickt als Lehrer, Landtagsabgeordneter des Sächsischen Landtages sowie als Reichstagsabgeordneter auf ein bewegtes Leben zurück. Da Ernst Schneller im Jahr 1914 nationalistisch geprägt war, ging er zunächst freiwillig zum Militär und wurde in den folgenden Jahren Offizier und Bataillonsadjutant. Später trat er in die SPD ein und verabschiedete sich vom nationalistisch geprägten Gedankengut. Bevor er Mitglied der KPD wurde, engagierte sich Ernst Schneller in der Organisation des Widerstandes in Schwarzenberg.

Zwischen 1921 und 1925 saß er für die KPD im Sächsischen Landtag. Schwerpunkt seines Engagements war bedingt durch den Beruf des Lehrers stets das Thema Pädagogik. Er setzte sich für die Revolution des Bildungswesens und die Bekämpfung von Kinderarmut ein. Kostenloses Schulessen sowie ebenfalls kostenlose ärztliche und zahnärztliche Kontrollen lagen dem engagierten Ernst Schneller besonders am Herzen. Seine Vorhaben stießen bei den Abgeordneten nicht immer auf offene Ohren, sodass Ernst Schneller sich darin üben musste, seinen Standpunkt klar und deutlich zu vertreten.

Im Jahr 1924 kehrte der ambitionierte Politiker dem Schuldienst den Rücken und wurde zum Ende des Jahres Mitglied des Deutschen Reichstags in Berlin. Bis zur Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 ging er seiner Arbeit nun in der Hauptstadt nach. Später wurde er Leiter der Reichsparteischule der KPD „Rosa Luxemburg“ (Schöneiche-Fichtenau). Seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus brachte er offen zum Ausdruck. Ernst Schneller gehörte zu den Teilnehmern der illegalen Tagung des Zentralkomitees der KPD, die im Sporthaus Ziegenhals stattfand. Im Zuge des Reichstagsbrandes am 27. Februar 1933 wurde auch Ernst Schneller verhaftet. Er befand sich mehrere Jahre in Haft und wurde 1939 ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Dort organisierte er sich weiterhin illegal in der KPD. Ernst Schneller wurde am 11. Oktober 1944 in Sachsenhausen erschossen.

Unsere Literaturempfehlung für mehr Hintergrundwissen zu Ernst Schneller: Kießling, Wolfgang: Ernst Schneller – Zehn Jahre Kampf, zehn Jahre Revolution, Dietz, Berlin: 1977.

Ernst Schneller ist der Vater des Autors Helmut Schneller, der unter dem Pseudonym Hans Rascher für das beliebte und derzeit größte deutsche Ensemble-Kabarett Die Distel arbeitete. Das 1953 in Berlin gegründete Theater befindet sich im Vorderhaus des Admiralspalastes, unweit des Bahnhofs Friedrichstraße.

Mit Programmen wie „Hurra, Humor ist eingeplant“ (Premiere des Theaters, 1953), „Wer einmal in den Fettnapf tritt“ oder „Berlin ist, wenn man trotzdem lacht“ zieht das Kabarett Die Distel jährlich 150.000 Besucher in seinen Bann. Neben 340 Vorstellungen in Berlin ist das Ensemble auch in bis zu 100 Gastvorstellungen in Namibia, Ungarn oder den USA (u.v.m.) zu bewundern.